Leserbrief zu „Wirtschaft fürchtet Engpass beim Strom“

Leserbrief zu „Wirtschaft fürchtet Engpass“ vom 05. März 2015

Strom-Engpass-Märchenstunde

Sie drucken auch wirklich jedes Märchen ab, das Ihnen von Industrie- oder Wirtschaftsverbänden aufgetischt wird. Da heißt es in Ihrem Artikel: „Die Politik habe ein falsches Bild der Kapazitäts- und Bedarfsentwicklung gezeichnet.“ Oder: „Die Hochrechnungen hätten nur den bundesweiten Schnitt berücksichtigt …“ Entschuldigung, das ist Nonsens!

Um auch in Zukunft die Versorgungssicherheit zu gewährleisten, gibt es seit 2012 ein klar definiertes Verfahren. Von den Netzbetreibern wird ein Szenariorahmen ausgearbeitet, der die zu erwartende Erzeugungs- sowie Verbrauchstopografie darlegt. Der wird öffentlich konsultiert, wo sich natürlich Wirtschafts- und Industrieverbände wie auch ganz normale Bürger einbringen können. Unter Berücksichtigung dieser Stellungnahmen überarbeitet die BNetzA diesen Szenariorahmen, der dann Grundlage für den Netzentwicklungplan (NEP) wird. Dann geht mit diesem NEP das gleiche Spiel los, wobei dieser sogar zweimal öffentlich konsultiert wird. Dieser NEP wird von Fachinstituten gerechnet, wobei selbstverständlich Situationen ohne Wind und Sonne sowie der Ausfall wichtiger Leitungen in diesen Rechnungen mit einbezogen werden. Erst wenn dann alles passt, ist der NEP fertig und wird so von der BNetzA bestätigt. Besser, transparenter und sicherer geht es einfach nicht!

Wenn nun immer wieder ein paar dahergelaufene Verbandsvertreter oder Politiker herumspinnen und meinen, die Versorgungssicherheit sei gefährdet, oder wir bräuchten überhaupt keine neuen Leitungen, kann ich nur sagen: Die sollen, anstatt durch die zu Lande ziehen und die Leute zu verunsichern, bitteschön an den dafür vorgesehenen Konsultationen teilnehmen und dabei genau begründen, warum sich die Situation ihrer Meinung nach doch so grundlegend anders darstellen wird als von den Netzbetreibern und der BNetzA angenommen.

Rüdiger Höwler, Recheberghausen

Link:  http://www.swp.de/ulm/nachrichten/politik/Wirtschaft-fuerchtet-Engpass-beim-Strom;art4306,3084220

Ulm

Wirtschaft fürchtet Engpass beim Strom

Die Konjunktur brummt, das könnte sich aber bald ändern. Vier Industrie- und Handelskammern im Süden warnen vor den Risiken der Energiewende.

KAREN EMLER | 05.03.2015 1 Meinung 

Wenn 2020 das Kernkraftwerk Gundremmingen vom Netz geht, hat das Grenzgebiet zwischen Baden-Württemberg und Bayern die Energiewende hinter sich. Den Unternehmen in der Region droht dann aber ein Stromengpass, sollte die Politik nicht rasch gegensteuern. Das ergibt eine Studie der Industrie- und Handelskammern Ulm, Bodensee-Oberschwaben, Ostwürttemberg und Schwaben. Sie errechnet eine Lücke von 13,6 Terawattstunden. Zum Vergleich: Gundremmingen produzierte 2013 20,7 Terawattstunden Strom.

Der Grund für die Lücke: Der Aufbau verlässlicher Anlagen auf Basis erneuerbarer Energien wie Biomasse und Wasserkraft kommen in der Region zu langsam voran. Die Ausbeute aus Wind und Sonne reicht nicht aus, zumal es an Speichern mangelt. Mögliche Zulieferungen aus dem windreichen Norden scheitern am mangelhaften Netzausbau. „Wir sind ein Produktionsstandort und wollen es auch bleiben“, sagte gestern Otto Sälzle, Hauptgeschäftsführer der IHK Ulm, bei der Vorstellung der Studie. Doch die Unternehmen bräuchten Planungssicherheit, was Stromkapazität und auch Kosten angehe.

Die Folgen der Energiewende wurden aus Sicht der Unternehmen in dieser Großregion, die zwischen den Metropolen München und Stuttgart liegt, zu wenig durchdacht. Die Politik habe ein falsches Bild der Kapazitäts- und Bedarfsentwicklung gezeichnet, kritisiert Ulrich Altstetter, Vorstand der Ulmer Wieland-Werke, einem Spezialisten für Kupfer und Kupferlegierungen mit 6790 Mitarbeitern. Die Hochrechnungen hätten nur den bundesweiten Schnitt berücksichtigt, aber nicht „dass diese Werte regional sehr unterschiedlich sind“. Er sieht die Wettbewerbsfähigkeit und damit die Arbeitsplätze in Gefahr. Schon jetzt halten sich Unternehmen aus energieintensiven Branchen mit Investitionen im Inland zurück. Zurzeit hängen von diesen Industriezweigen in Deutschland direkt 830.000 Arbeitsplätze ab.

Die Ergebnisse der Studie sollen am 27. März beim „Strom-Gipfel Süd“ in Neu-Ulm besprochen werden, zu dem auch die bayerische Wirtschaftsministerin Ilse Aigner (CSU) und der baden-württembergische Umweltminister Franz Untersteller (Grüne) eingeladen wurden.

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