Aus für Stromtrasse ins Land

NWZ 3.März 2015

Die geplante Stromtrasse für Windenergie aus dem Norden in die Region Stuttgart kommt nicht. Von Aalen bis Wendlingen sind die Gegner erleichtert. Mit einem Kommentar von Dirk Hülser: Sinnloses Monstrum.

„Jetzt können wir unsere Festvorbereitungen anlaufen lassen.“ Für Franz Wenka, den Bürgermeister der kleinen Schurwald-Gemeinde Börtlingen (Kreis Göppingen) liefert die Bundesnetzagentur einen Grund zum Feiern: Nach jahrelangem Kampf gegen die geplante 380-Kilovolt-Leitung von Hüttlingen-Goldshöfe (Ostalbkreis) bis Ebersbach-Bünzwangen (Kreis Göppingen) hat die Behörde nun das Aus für diese sowie die Alternativtrasse nach Wendlingen (Kreis Esslingen) verkündet.

Am Montag bestätigte der Netzbetreiber Transnet BW, eine Tochter der ENBW: „Der Leitungsneubau zwischen Bünzwangen und Goldshöfe ist unter den aktuellen energiepolitischen Rahmenbedingungen verzichtbar.“ Erst vor vier Monaten hatte das Unternehmen als Alternative eine Trasse nach Wendlingen ins Spiel gebracht – doch „dies halten wir im Moment nicht für erforderlich“, sagte ein Sprecher der Bundesnetzagentur. Transnet BW sieht die „aktuellen politische Rahmenbedingungen“ als Grund für den Wegfall der Trasse. Sprecherin Catrin Glücksmann nennt unter anderem Änderungen im Erneuerbare-Energien-Gesetz (EEG) sowie eine geringere Zahl an Off-Shore-Windparks als ursprünglich vorgesehen.

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Kommentar von Dirk Hülser:
Sinnloses Monstrum

Für die Bürgerinitiativen, Kommunen und Landkreise war es ein jahrelanger Kampf, der nun ausgestanden scheint: Die höchst umstrittene Stromtrasse, die Windstrom aus dem Norden vom Umspannwerk in Hüttlingen-Goldshöfe in die Region Stuttgart transportieren sollte, ist vom Tisch. Zumindest vorläufig.

Der Protest gegen die gigantischen Masten hatte nur teilweise etwas mit dem Sankt-Florians-Prinzip zu tun. Es ging nicht darum, die Leitung in den Nachbarort zu verbannen. In einem großen Kraftakt haben sich unzählige Kommunen, drei Landkreise und zehn Bürgerinitiativen zusammengeschlossen und sich immenses Fachwissen angeeignet. Und konnten schlüssig nachweisen, dass diese Trasse in Richtung Stuttgart sinnlos ist. Das hat nun auch die Bundesnetzagentur erkannt: Es kann nicht für jedes Kilowatt Windkraft, das möglicherweise einmal zu viel produziert wird, Leitungskapazität mit doppelter Sicherheitsreserve vorgehalten werden.

Zumal fraglich ist, ob diese Reserve jemals benötigt wird. Denn ein Gutachten hatte im vergangenen Jahr aufgezeigt, dass die Leitung maximal zu 17 Prozent ausgelastet sein werde, im Durchschnitt gar nur absurd niedrige sechs Prozent. Dass so den Anwohnern das Monstrum vor der Haustüre nicht zu vermitteln war, dämmerte langsam auch den Verantwortlichen.

Konsens bei den Trassengegnern war immer: Energiewende ja, neue Leitungen nur dann, wenn sie auch notwendig sind. Eigentlich selbstverständlich. Doch da eine hohe Rendite lockt, versuchen Netzbetreiber offenbar gerne, eine Trasse durchzuboxen. Aber hier waren die Bürger wachsam.

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